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Warum so viele Modelabels scheitern – 7 Fehler, die du vermeiden kannst

Seit dem Jahr 2014 interviewe ich regelmäßig Modelabels und Newcomer mit spannenden Konzepten für die Textilindustrie. Seit dieser Zeit sind viele meiner Interviewpartner wieder vom Modemarkt verschwunden. Aus einigen Fehlern kannst du für dein Modelabel lernen. Hier kommen 7 häufige Gründe, warum Modelabels scheitern.

Hobby mit Unternehmertum verwechseln

Für viele Menschen ist es ein Traum, ein eigenes Modelabel zu gründen. Die eigenen Vorstellungen in eine Modekollektion zu verpacken ist der Antrieb. Dabei wird häufig vergessen, dass Modekollektionen von einer bestimmten Zielgruppe gekauft werden müssen, um erfolgreich zu sein.

Diese Zielgruppe muss zum einen auf die Produkte aufmerksam gemacht und im nächsten Schritt dazu verführt werden, Geld dafür auszugeben. Dazu spielen Werbebotschaften, Ort und Preis eine entscheidende Rolle. Wer seine Zielgruppe kennt, kann bestimmen, wo sie am ehesten auf Produkte aufmerksam wird und welchen Preis sie bereit ist, dafür zu zahlen. Für letzteres ist das Marketing entscheidend, denn hier wird neben dem Produkt die Wertschöpfungskette aufgezeigt. Viele Creatives haben Schwierigkeiten damit, ihre Zielgruppe vorher ausführlich zu studieren, obwohl es der Schlüssel zum Erfolg ist.

Das ist als kreativer Kopf völlig normal, sich lieber mit der eigenen Vision zu beschäftigen, als mit der Unternehmensplanung. Doch hier liegt der Unterschied zu einem erfolgreichen Modelabel und einem „teuren“ Hobby. Bei einem Hobby geht es ausschließlich um dich und deine Emotionen, aber als Unternehmen produzierst letztlich ausschließlich für deinen Kunden und baust stattdessen deine Emotionen in deine Werte ein.

Modelabels scheitern, weil sie ihre Werte für sich behalten

Aus dem vorherigen Grund werden keine langfristigen Strategien geplant. Marketing ist entweder nicht vorhanden oder wird planlos gestreut, womit wir zum nächsten Fehler kommen, warum Modelabels scheitern:

Es besteht kein professioneller Unternehmensauftritt. Unzählige Fragen lassen sich gezielt im Austausch mit Kunden, Interessenten, Gleichgesinnten oder Followern beantworten, auch wenn das Konzept nicht komplett ausgearbeitet ist.

Wie aber sollen potenzielle Kunden von einer Ideen erfahren? Wie soll ein Unternehmen Feedback bekommen, wenn sich die Unternehmensidee ausschließlich im eigenen Kopf abspielt?

Wenn ich eine Beratungsanfrage per Email bekomme, stelle ich einige Fragen, um mir ein besseres Bild von der Unternehmensidee und den Modellen zu machen. In den seltensten Fällen bekomme ich jedoch eine Internetseite, ein Moodboard oder einen Instagram Account verlinkt. Aber niemand kann dir sicher sagen, ob eine Idee erfolgreich sein wird, wenn du sie nicht selbst am Markt testest und damit ein Stück weit nach außen trittst. Durch das Internet ist das leichter als je zuvor und spart am Ende eine Menge Geld. Ein Instagram Account ist kostenlos und du benötigst keine Produkte. Auch bei einem Blog oder einer Landingpage sind deine Kosten minimal. Dort lassen sich die Werte deines Unternehmens mit der Welt teilen, auch ohne Onlineshop.

Modelabels, die Produktionsstätten nicht von einer Zusammenarbeit überzeugen können

Viele Gründer geben an, dass sie Angst, um ihre Idee haben. Gerade in der Modebranche ist die Sorge weitverbreitet und manchmal nicht ganz unbegründet. Das gilt aber weniger für Start-ups, aus dem einfachen Grund, weil die Idee weder am Markt erprobt, noch ausgearbeitet ist. Es ist bequemer, eine fertige Kollektion zu kopieren, als eine unausgereifte Idee. Und darum geht es bei Plagiaten – Zeit- und Kostenersparnis in Kombination mit einer Erfolgsgarantie.

Modelabels scheitern durch diese Angst auch für die Suche nach Produktionspartnern. Viele Start-ups beginnen damit ihre Modelle selbst zu nähen oder diese von einer nahegelegenen Schneiderin erstellen zu lassen. Mit dem zunehmenden Erfolg beginnt die Suche nach einer preiswerteren Produktionsmöglichkeit, da die Stückzahlen steigen. Viele Kreative sind der Meinung, dass sie eine Email an ein Produktionsunternehmen stellen und damit alles seinen Lauf nimmt. Das ist ein fataler Fehler! Denn während die Bedrängnis groß ist, die Produktion auszulagern, damit die zunehmenden Aufträge abgearbeitet werden können, dauert es zunächst viele Monate bis eine Geschäftsbeziehung zustande kommt und ausgefeilt ist.

Mit einer schnellen Emailanfrage an eine Produktionsstätte wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Erfolg haben. Produktionsfirmen haben bereits Kunden und Aufträge. Sie leben davon und alles was ihnen undurchsichtig, unprofessionell und schlicht unprofitabel erscheint, wird meist ignoriert. Das heißt, auch der erste Kontakt zu einem Produzenten muss gut vorbereitet sein, damit du nicht in der Masse an Emails untergehst. In allen Modeunternehmen in denen ich bisher als Arbeitnehmerin gearbeitet habe, landen oftmals 100 Emails pro Tag im Postfach. In ca. 99,9 % von diesen Mails geht es um vorhandene Aufträge, die abgewickelt werden.

Welche Informationen ein Hersteller von dir benötigt und wie du eine Anfrage professionell formulierst, habe ich dir ausführlich in meinem neuen eBook Produktionsreif aufgeschlüsselt.

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Gesetzliche Verpflichtungen werden unterschätzt

Unwissenheit am Markt hat häufig zur Folge, dass du die Gesetzeslagen in der Modebranche nicht kennst. Der erste Schritt ist die Auseinandersetzung mit der Textilkennzeichnung, um teure Abmahnungen zu vermeiden. Aber auch welchen Namen du einzelnen Produkten evtl. gibst, kann schwerwiegende Folgen für dein Unternehmen haben. Je nach Unternehmensform bist du voll haftbar, solltest du deinen Produkten versehentlich einen geschützten Namen geben. Ebenso sind unlauterer Wettbewerb und Heilungsversprechen sind ein absolutes Tabu für dein Marketing. Eine kürzliche Falle war z. B. die Bezeichnung von Mund-Nasen-Bedeckungen, die manche Unternehmen als „Schutz“ bezeichneten. Viele Anwälte verdienen ausschließlich an solchen Fehltritten, darum informiere dich vorher über die Risiken. Eine kaufmännische Ausbildung oder ein BWL-Studium vermitteln dabei wichtigste Grundsätze, um für den Markt vorbereitet zu sein.

Qualitätsansprüche werden nicht erfüllt

Wer sich nicht auf dem Modemarkt auskennt, muss diese Kenntnisse schnellstmöglich nachholen, sonst hat das Unternehmen früher oder später ein Problem mit der Produktqualität. Abhilfe schafft nur der Gang in die Geschäfte, auf die Modemessen und bestenfalls zu den Produktionsstätten selbst. Mit meinem Textilkompass kannst du dir bereits die ersten Basics aneignen, gerade in der Zeit des Lockdowns.

Selbst Mode vom Discounter durchläuft eine ganze Reihe von Tests bis die Kollektion den Kunden zum Kauf angeboten wird. Dabei werden physische und chemische Parameter getestet. Letzteres nutzen auch viele etablierte Modeunternehmen noch nicht. Sie vertrauen auf die versprochene Qualität des Herstellers oder der Textilagentur, ohne einen Beleg dafür zu haben. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser, zumindest stichprobenartig. So fallen dir auch schnell Abweichungen in der Materialzusammensetzung auf. In vielen Fällen ist dies unbeabsichtigt während der Produktion geschehen, einige Produzenten sparen jedoch auch gerne und das nicht nur in Fernost Asien. In beiden Fällen haftest du für eine falsche Auszeichnung deiner Materialzusammensetzung.

Langfristigen Schaden nimmt Unwissenheit auch bei der Kundenbindung. Unternehmen schreiben von Werten und machen Versprechungen. Am Ende ist der Kunde enttäuscht, wenn ein Produkt nach dem ersten Waschen bereits pillt oder stark einläuft. Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Aspekt für viele Konsumenten, aber wenn die Basics nicht stimmen, hat ein Kunde zum ersten und zum letzten Mal bei der Firma eingekauft. Am schlimmsten ist es, dass du meistens nicht davon erfährst, woran es liegt, dass Kunden deine Produkte nicht mehr kaufen. Ich habe selbst einige kostspielige Kleider in meinem Schrank hängen, von Start-ups, die für nachhaltige Werte einstehen und die ich gerne unterstützen wollte. Doch nachdem ich bemerkt habe, dass Nähte auf der Haut kratzen (raue Polyesterfäden), Reißverschlüsse klemmen (keine Markenreißverschlüsse) etc. werde ich kein Stammkunde dieser Marken.

Modelabels scheitern, wenn sie sich nicht bewusst mit Vertriebswegen auseinandersetzen

Während produktionsreife Modelle den Herstellungsprozess durchlaufen, ist es eigentlichen ganz einfach – ein Onlineshop ist schnell gebaut und die einzelnen Produkte dafür angelegt. Nun musst du nur noch warten, bis jemand auf deine Webseite findet und bei dir kauft. Zugegeben, das ist etwas überspitzt ausgedrückt, aber ein Unternehmen muss sich vorab mit verschiedenen Vertriebsstrategien auseinandersetzen, als nur dem eigenen Onlineshop, denn so einfach und risikolos es zunächst klingt ist es überhaupt nicht. Die Kosten, die du dadurch sparst, wirst du in Marketing investieren müssen, um überhaupt in der Flut der Modemarken gefunden zu werden. Je weniger du davon auslagerst, desto mehr Zeit wirst du selbst investieren müssen.

Dabei gibt es noch viele andere tolle Vertriebsmöglichkeiten, die dir gleichzeitig eine höhere Aufmerksamkeit schenken. So kannst du neben einem Onlineshop auch einen Pop-up-Shop betreiben, um deine Kunden persönlich kennenzulernen und aus dieser Erfahrung zu lernen. Außerdem kannst du deine Kollektion über eine Handelsagentur oder auf Fachmessen vertreiben. Zu all diesen Möglichkeiten ist eine vorherige Planung der Preise und Stückzahlen sinnvoll. Alle Vertriebsmethoden haben ihre Vor- und Nachteile, doch für ein langfristiges Wachstum ist eine Streuung deiner Vertriebswege wichtig.

Fehlende Kenntnisse bei der Preiskalkulation

Wer sich gut in der Bekleidungsindustrie auskennt, hat eine bessere Basis, um Preise zu verhandeln. Viele Modelabels lassen sich bei der Produktion „über den Tisch“ ziehen und schlucken Preise ohne diese zu hinterfragen. Sie kennen sich nicht mit den handelsüblichen Margen aus und haben keine Erfahrungswerte zu Einkaufspreisen. Gleichzeitig sehen viele Modemarken nicht, dass sie für die gleiche Qualität je nach Stückzahl sehr unterschiedliche Preise bezahlen. Hier ist es wichtig eine ausgewogene Kalkulation aufzustellen und die richtige Vertriebsstrategie zu entwickeln, um die Kollektionsteile am richtigen Ort, zum richtigen Preis zu verkaufen. Eine gute Planung ist alles, um Erfolg nicht dem Zufall zu überlassen. Ein schönes Tool dazu stammt von der gelernten Modedesignerin Judith Brehmer. Sie hat eine Preiskalkulationstabelle entwickelt, die dich bei deiner Preispolitik unterstützt.

Um als Start-up überhaupt einen Fuß in die Tür zu den Produktionsstätten zu bekommen, sind Kompromisse ebenso wichtig. Ob ein Deal gut oder schlecht ist, lässt sich jedoch nicht ohne bekleidungstechnisches Verständnis sagen. So kannst du nur mit ausreichend Wissen erkennen, ob eine Abänderung eines von dir ausgewählten Rapportmusters (allover Print) ein guter Deal ist oder nicht. Darum ist es ein wichtiger Bestandteil Produktionsangebote miteinander zu vergleichen.

Einen ganz entscheidenden Punkt möchte ich noch einmal betonen: Kein Unternehmen macht von Anfang an alles richtig und viele Fehler sind auch nötig für das eigene Wachstum. Jedoch ist fundiertes Wissen durch Neugierde in allen Unternehmensbereich der Schlüssel für das Bestehen an diesem hart umkämpften Markt. Scheitern kann auch ein Segen sein und einen Entwicklungsprozess herbeiführen.