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Wie findest du einen Praktikumsplatz im Bereich Modedesign?

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Nach dem Ende meines Designstudiums 2010 hatte ich viele neue Fertigkeiten erlernt und doch stellte sich mir die Frage, wie finde ich einen Praktikumsplatz im Bereich Modedesign. Alle meine Fähigkeiten würden mir nützen, um mich als selbstständiger Designer zu verwirklichen – um Mode zu entwerfen. Aber wie finde ich einen Weg, meine Kenntnisse in einem Unternehmen auszubauen?

Heute weiß ich, es bedarf extremer Ausdauer, ein flexibles Leben, dass dir keine Hürden in den Weg stellt und einen starken unabdingbaren Willen (und einen Nebenjob, der dich über Wasser hält).

Insgesamt absolvierte ich drei Praktika in sehr unterschiedlichen Unternehmenskonstrukten. Mein erstes Praktikum dauerte nur einige Wochen in einem Couture Atelier. Die Inhaberin präsentierte mehr Kunst als Mode auf der Berliner Fashion Week und verkaufte diese Kreationen rund um den Globus an Stars und Millionäre. Es hörte sich wie ein Traum an. Für manch einen Praktikanten dort war es vielleicht auch einer. Ich bemerkte aber, dass die Couturewelt nicht der richtige Ort für mich war. Zudem war das Praktikum unbezahlt, was die Regel in dieser Branche darstellt, einen jedoch irgendwann „absaufen“ lassen würde.

Daher bewarb ich mich weiter, bis ich ein Praktikum bei einer Wäsche- und Bademodenfirma ergatterte. Die Musterproduktion fand teilweise noch in der Firma selbst statt und ich bekam die Möglichkeit meine eigene Bademodenkollektion zu erstellen. Zudem bekam ich ein Taschengeld und eine firmeneigene Wohnung zur Verfügung gestellt – ein echter Hauptgewinn. Dafür wurde ich jedoch auch als billige Arbeitskraft für den Zuschnitt der Modelle eingesetzt. Nach manchen Tagen konnte ich meine Finger kaum noch bewegen, da diese vom festen Griff der schweren Schneiderscheren schmerzten – geschwollene Hände und regelmäßiger Blutstau waren die Folge. Dennoch blieb ich dort acht Monate, brachte mir die Programme CorelDraw und Assyst bei, lernte die Verarbeitung und Schnitterstellung von Bademoden und das Einplatzieren von placed Prints für die unterschiedlichen Größen.

Danach fand befand sich die Branche gerade in einer wirtschaftlichen Talfahrt und ich bekam ein weiteres Mal nur einen Praktikumsplatz angeboten. Bezahlt und an einem der schönsten Flecken Deutschlands, aber eben kein Praktikum mit Übernahmegarantie. Wieder hängte ich mich voll in meinen Job. Neben Collagen erstellen und überarbeiten von technischen Zeichnungen, bereitete ich Übergabetermine an die Vertriebsmitarbeiter vor, nahm an Fotoshootings teil, etc.

Mein Fazit aus dieser Zeit hat gute und auch negative Seiten. Es ist meiner Meinung nach extrem wichtig nach dem Studium oder auch für den Quereinstieg, die Modebranche hautnah zu erleben. Vorstellungen und die Realität liegen oft weit auseinander. So entsteht ein gutes Bild für jeden, der tiefer in die Branche eintauchen möchte und das ist so manche Strapazen wert. Mit Ausdauer und Leidenschaft auch realisierbar, sogar wenn auch nur eine Stelle durch ein anstrengendes Assessment Center zu haben ist. Die Praktikumszeit ist keine einfache, es gibt viele finanzielle Einschränkungen und keine Sicherheiten. Letzteres ist aber auch mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag eine Illusion, denn Firmen können bei schlechter wirtschaftlicher Lage jederzeit entlassen. Achte bei der Wahl des Arbeitgebers auch darauf, dass du ebenfalls einen Gewinn davon hast und genügend Erfahrungen sammelst. Kaffeekochen sollte nicht die Regel sein.

So findest du einen Praktikumsplatz im Bereich Modedesign

Nun komme ich zu meinen eigentlichen Tipps, wie du einen Praktikumsplatz findest:

  • Es gibt zwei große Internetstellenbörsen für die Fashion Industry: www.fashion-united.de und www.textilwirtschaft.de
  • Suche direkt auf der Unternehmenswebseite nach Stellen oder der Möglichkeit eine Initiativbewerbung zu schicken
  • Auf allen Jobbörsen kannst du Praktikumsstellen finden, so auch Indeed, Stepstone etc.
  • Erstelle dir ein Profil auf Linkedin oder Xing und checke auch hier regelmäßig die Angebote
  • Suche über Modemessen nach Ausstellernamen (das findest du auch über das Internet heraus), Modemarken oder Agenturen, die du bisher noch nicht kanntest
  • Neben Modelabels kannst du auch über Produktionsagenturen, Lohnnähereien, Trendagenturen oder modeaffine Werbeagenturen suchen
  • Schaue in deinen eigenen Kleidungsstücken das Pflegeetikett an, wer hier der Hersteller ist. Einige Firmen verkaufen nur die Ware und der Hersteller ist ein ganz anderes evtl. ebenfalls in Deutschland ansässiges Unternehmen
  • Begib dich auch im Ausland auf die Suche, denn Auslandserfahrung wird nach wie vor sehr hoch angesehen
  • Checke alle diese Möglichkeiten kontinuierlich, sodass du viele Unternehmen auf dem Schirm hast, auch wenn vielleicht gerade nicht die richtige Stelle für dich frei ist.
  • Achte auf die Aktualität bei einem ausgeschriebenen Praktikumsplatz für den Bereich Modedesign. Ist die Anzeige mehr als 2 Wochen alt, solltest du einmal nachhaken, ob der Bewerbungsprozess noch offen ist. Und sei schnell, das kann ich nur immer wieder betonen. Hast du mit einem Unternehmen telefoniert, sollte die Bewerbung dort spätestens nach zwei Tagen „auf dem Tisch liegen“, sonst wirst du wieder vergessen.

Wenn du entsprechende Stellenausschreibungen gefunden hast oder dich für eine Initiativbewerbung entscheidest, geht es an die Formulierung  und das Layout deiner kreativen Bewerbung.

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