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Der Einstieg als Modejournalistin: ein Interview mit der Chefredakteurin Katharina Pfannkuch

Die Modejournalistin Katharina Pfannkuch
Foto: Die Modejournalistin Katharina Pfannkuch

Sie recherchieren, interpretieren, berichten und kommentieren – Modejournalisten. Kenntnisse aus der Modewelt und die Fertigkeiten des Journalismus werden in diesem Berufsbild vereint. Dabei geht um mehr, als nur über Trendthemen zu schreiben und glamouröse Events zu besuchen. Für einen guten Artikel ist es unerlässlich, auch die wirtschaftlichen und kulturellen Hintergründe der Modebranche abzubilden.

Wie findest du den Einstieg in den Modejournalismus?

Das Berufsbild eignet sich perfekt für einen Quereinstieg. Ein spezifisches Studium ist nicht unbedingt nötig. Das heißt aber, dass du dir das Wissen und die Fertigkeiten, die du während eines Studiums in mehreren Semestern erlangst, selbst aneignen musst. Zudem solltest du dich im Modebereich sehr gut auskennen. Dazu kann ein Praktikum in einem Modeunternehmen sehr hilfreich sein (mit oder ohne Studium), um hinter die Kulissen dieser Branche blicken zu können. Auch die Mithilfe auf modespezifischen Events kann dir den Einstieg erleichtern. Über alle dem ist das Schreibhandwerk essenziell für diesen Beruf. Übe dies, wo du nur kannst.

Als angehender Modejournalist beginnst du bestenfalls mit einem Volontariat und kannst zudem Erfahrungen als freier Journalist sammeln. In Deutschland gibt es eine Vielzahl an Zeitschriften und Magazinen für die Modejournalisten arbeiten. Zum einen gibt es modeinteressierte Privatpersonen, die das Publikum darstellen.

Zum anderen gibt es auch Modeunternehmen und andere Branchenexperten als Zielgruppe, für die verschiedene Fachzeitschriften verlegt werden.

Der Quereinstieg von Katharina Pfannkuch zur Modejournalistin

Wie ein Quereinstieg in den Modejournalismus funktionieren kann, konnte ich im Interview mit der frischgebackenen Chefredakteurin Katharina Pfannkuch erfahren. Mit ihrem hochinteressanten Lebenslauf gibt sie einen Einblick über die Möglichkeiten, die einem als Modejournlistin offen stehen:

Katharina Pfannkuch studierte Islamwissenschaft und machte ihren Master in Arabistik. Gegen Ende des Studiums schrieb sie bereits als freie Autorin für verschiedene Print- und Onlinemedien. Zudem berichtete sie durch lange Aufenthalte in den Emiraten, Tunesien, Ägypten und Syrien über ihr Fachgebiet.

Die Modejournalistin Katharina Pfannkuch
Foto: Die Modejournalistin Katharina Pfannkuch

Modekarriere: Wie ging es bei dir nach dem Studium weiter und wo stehst du heute?

Katharina Pfannkuch: „Mein Auftraggeber-Kreis wuchs vor allem, seit ich als freie Journalistin aus Tunesien und Ägypten über den sogenannten Arabischen Frühling berichtete. Nachdem ich für ein halbes Jahr eine Kollegin im Stil-Ressort der „Welt am Sonntag“ in Berlin vertreten hatte, arbeitete ich seit Sommer 2018 als freie Journalistin von Düsseldorf aus, unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Tageszeitung“, „Die Welt am Sonntag“ und deren Supplements*, für das „Handelsblatt“ und verschiedene lokale Magazine.

In diesem Herbst wurde mir dann der Posten als Chefredakteurin des Frauen- und Lifestyle-Magazins „MAXI“ angeboten, das im Frühjahr wieder auf den Markt kommen wird – endlich! Ich selbst habe „MAXI“ immer wahnsinnig gerne gelesen und es erfüllt mich mit Stolz, aber auch mit Respekt, dass ich das Heft nun mitgestalten und in die Zukunft führen darf. Als Chefredakteurin bin ich festangestellt. Es ist eine große Herausforderung, an der wir mit einem kleinen, aber sehr leidenschaftlichen Team arbeiten.“

Modekarriere: Wie hast du deinen Wandel vollzogen als freie Journalistin über Länder, wie Ägypten zu berichten und dann in die Modewelt einzusteigen?

Katharina Pfannkuch: „Seit 2013 schrieb ich immer öfter über das Kopftuch muslimischer Frauen. In den vielen Interviews, die ich zwischen Istanbul, Kairo, Hamburg  und Berlin  zu diesem Thema führte, wurde mir die modische Dimension, die dieses Kleidungsstück haben kann, immer bewusster. Begriffe wie Hijabista und Modest Fashion** kamen damals gerade erst auf, ein ganz neuer Stil entstand und es war unglaublich spannend, diese Entwicklung zu dokumentieren.

Auch die Bedeutung für die Textilindustrie interessierte mich. So entstanden meine ersten Beiträge für die Stil-Ressorts großer Medien und schnell wurde mir klar, dass mein Herz für diesen Bereich noch lauter schlägt als für die politische Berichterstattung.“

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Modekarriere: Welche Tätigkeit am Modejournalismus macht dir am meisten Spaß?

Katharina Pfannkuch: „Ich liebe es, Interviews zu führen und Menschen, über deren Arbeit ich schreibe, persönlich zu begegnen. Oft werde ich dabei überrascht; es entstehen neue Perspektiven und im besten Fall ein echter Austausch mit den Interviewpartnern.“

Modekarriere: Was sind deiner Meinung nach Pflichtevents, an denen man als Modejournalismus anwesend sein sollte?

Katharina Pfannkuch: „Modenschauen informieren einerseits über Trends und sind zugleich eine gute Plattform zum Netzwerken. Um die ersten Kontakte zu knüpfen, eignen sich aber auch Konferenzen zum Thema Mode sehr gut. Die können an Universitäten stattfinden oder in Museen. Ich selbst habe auf diese Weise viele kostbare Kontakte geknüpft, sei es als Speaker bei Panels oder als Gast im Publikum. Konferenzen mit prominenter Besetzung können auch die Möglichkeit zu Interviews bergen. In London konnte ich bei einem solchen Event zum Beispiel Tim Blanks live erleben und sogar Hussein Chalayan interviewen. Eine weitere Option sind Journalisten-Workshops, auch wenn sie sich nicht explizit um Mode drehen.“

Modekarriere: Du hast eine Biografie über Karl Lagerfeld mitgeschrieben. Wie kam es dazu und wie würdest du deine Arbeit daran beschreiben?

Katharina Pfannkuch: „Der Verlag war damals durch meine Artikel über Modetrends und Modegeschichte, in denen Karl Lagerfeld natürlich immer wieder eine Rolle spielte, aufmerksam geworden und machte mir das Angebot, für die Neuauflage von „Karl“ einige Kapitel beizusteuern. Paul Sahner, der Autor der Biographie, ist ja leider 2015 verstorben und konnte sein Buch nicht mehr selbst vollenden.

Es war eine Herausforderung, das Werk eines so erfahrenen und brillanten Autors wie Paul Sahner zu ergänzen, aber natürlich habe ich mich ihr gerne gestellt! Die Arbeit an dem Buch selbst war sehr lehrreich für mich, da ich noch strukturierter planen musste als sonst – einfach, um der Fülle der Informationen, die es über eine Ikone wie Karl Lagerfeld gibt, gerecht zu werden.“

Modekarriere: Gibt es ein besonderes Motto bzw. Zitat in deinem Leben?

Katharina Pfannkuch: „Ich folge weniger einem Zitat als einer Haltung:

Immer dazu lernen wollen und neugierig bleiben.“

Modekarriere: Hast du Pläne für die Zukunft? Gibt es Projekte, die du gerne irgendwann verwirklichen möchtest?

Katharina Pfannkuch: „An einem der aufregendsten Projekte, die ich mir vorstellen kann, nämlich selbst ein Magazin zu gestalten, arbeite ich momentan. Ansonsten gibt es jede Menge Interviewpartner, die ich gerne mal treffen möchte. Und irgendwann einmal genug Muße haben, um ein ganz eigenes Buch zu schreiben, das wäre ein Traum von mir.“

Modekarriere: Was würdest du einer angehenden Modejournalistin empfehlen? Gibt es einen Tipp, den du selbst zu deiner Einstiegszeit gerne gewusst hättest?

Katharina Pfannkuch: „Mode immer in all ihren Facetten – den ästhetischen, den wirtschaftlichen und den politischen – zu sehen. Im Modejournalismus geht es nicht nur um Trends und schöne Schnitte, sondern auch um den Zeitgeist. Wie sich etwa Dresscodes verändern oder zunehmend auflösen, sagt viel über gesellschaftliche Entwicklungen aus.

Mein wichtigster Tipp ist ziemlich simpel: Man sollte immer extrem hohe Ansprüche an sich selbst und an die eigene Arbeit haben. Und sich eine thematische Nische suchen! Ich hatte von Anfang an wirklich viel Glück mit Redakteuren und Mentoren, die mir tolle Tipps gegeben, meine Texte anfangs auch sehr scharf kritisiert und mir viel beigebracht haben.“

Vielen Dank liebe Katharina für den umfangreichen Einblick in deinen Beruf als Modejournalistin und Chefredakteurin!

*Supplements: In der Publizistik sind damit zusätzliche Hefte, Beilagen und Sonderausgaben gemeint.

**Hijabista und Modest Fashion: Die Lust an der Verhüllung als globales Mode-Phänomen

Falls du mehr zum Thema Modejournalismus wissen willst, hinterlasse mir gerne einen Kommentar mit deinen Fragen. Gerne auch per Email an info@modekarriere.com.

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