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Stundensatz für Dienstleistung als Modedesigner

Wie kalkuliere ich den Stundensatz als selbstständiger Modedesigner?

Welchen Preis solltest du für deine Dienstleistung als selbstständiger Modedesigner verlangen? Was kostet die Ausfertigung einer Kollektion? Wie solltest du dabei abrechnen? Diese Fragen sind gar nicht so einfach zu beantworten, da viele Faktoren davon abhängen. Aber die Antworten sind essenziell, um mit deiner Selbstständigkeit erfolgreich zu sein.

Viele Kreative verkaufen sich unter ihrem Wert

Unter Freelancern in der Kreativwirtschaft ist es leider weit verbreitet, sich deutlich unter dem eigenen Wert zu verkaufen. Gerade wenn es um die Themen Krankenversicherung oder gar Rentenversicherung geht, haben viele Creatives Schweißperlen auf der Stirn.

Ein Arbeitnehmergehalt kann nie alleine als Gegenstand für deine Dienstleistung als selbstständiger Modedesigner dienen

Aber wie ermittelst du den Wert für deine Dienstleistung als selbstständiger Modedesigner? Und wie bleibst du am Ende noch konkurrenzfähig auf einem hart umkämpften Markt? Angestellte in der Kreativbranche arbeiten oft für einen Mindestlohn, dies mehr schlecht als recht. Das sollte nicht das Ziel einer Selbstständigkeit sein. Ein Arbeitnehmerlohn kann niemals Maßstab für einen Freelancer sein. Denn neben deinen privaten Fixkosten und deinem Privatvergnügen musst du eine Reihe weiterer Punkte berücksichtigen:

Du musst dir Geld zurücklegen, falls du eine Weile keine Aufträge haben solltest. Gerade in der Corona-Krise standen viele Creatives von heute auf morgen ohne neue Aufträge da. Das gilt ebenso für Krankheiten, die jeden von uns treffen können. Selbstverständlich musst du als Freelancer deine Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zu 100% bezahlen. Mit einem Zusatz in deiner Versicherung erhältst du ab 6 Wochen Krankengeld.

Da du kein Urlaubsgeld bekommst, musst du dies ebenfalls in deinen Stundenlohn einberechnen. Auch Anschaffungskosten für Arbeitsmaterial, Lizenzgebühren für bestimmte Programme etc. sind weitere zusätzliche Belastungen, die in eine Entlohnung für deine Dienstleistung als selbstständiger Modedesigner einfließen müssen.

Grundsätzlich gilt, deine Einnahmen müssen höher sein als deine Ausgaben. Klingt einleuchtend, ist aber leider oft nicht die Realität

Ein Rechenbeispiel zum Stundensatz:

Hier berechne ich den Stundenlohn für eine Vollzeittätigkeit als Freiberufler. Zu Beginn kannst du dich an deinem letzten Bruttolohn orientieren. Achte aber darauf, ob Urlaubs- bzw. Weihnachtsgeld eingeschlossen ist oder nicht. Falls du vorher noch nicht gearbeitet hast, kannst du mit einem Einstiegsgehalt von 2500 Euro Brutto rechnen, je nachdem wo du wohnst auch höher.

Dein Bruttogehalt lag zuletzt bei                   3308,33 Euro

Arbeitgeberanteil von KK, PV und RV         639,34 Euro

Zwischensumme                                3947,67 Euro

Der Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben kann sehr unterschiedlich ausfallen, je nach Lebenssituation, ob du Mitglied bei der KSK bist und in welchem Bundesland du lebst. D. h. dein Lohn würde im Monat 3947,67 Euro Minimum betragen. Was heißt das für den Stundenlohn? Als Freiberufler kannst du nicht 8 Stunden pro Tag an „Manpower“ zur Verfügung stellen, denn neben dem Abarbeiten von Aufträgen bist du viele Stunden mit Kundenterminen, Akquise, Abrechnungen, Beratungen etc. beschäftigt.

Die „Nebensachen“ nehmen gerne mal mehr Zeit in Anspruch, als die eigentliche Arbeit selbst. Daher kannst du mit max. 6 Stunden produktiver Arbeit pro Tag rechnen. Es hat nichts mit Faulheit zu tun, glaub mir, du wirst mehr Stunden mit deinem administrativen Aufgaben verbringen, als du dir zunächst vorstellst. Aber dafür bekommst du mit der Zeit ein Gefühl. Mit nur sechs Stunden pro Tag muss sich dein Stundenlohn erhöhen. Außerdem haben Angestellte durchschnittlich 2 Urlaubstage pro Monat. Auch das gilt für dich zu berücksichtigen, ebenso wie durchschnittlich 6 Krankheitstage pro Jahr.

Kalendertage pro Jahr               365 Tage

Wochenenden/ Feiertage          117 Tage (Feiertage variieren je nach Bundesland)

Urlaubstage                                   24 Tage

Krankentage                                   6 Tage

Arbeitstage pro Jahr             218 Tage

Arbeitstage pro Monat            18 Tage

Stunden pro Monat                120 Stunden

Damit wären laut des Beispiels 219,31 Euro pro Arbeitstag zu verdienen. Wenn du sechs Stunden pro Tag bezahlt bekommst, wären das 36,55 Euro pro Stunde. Aktuell haben wir eine Mehrwertsteuer von 16%, die du für jede Stunde veranschlagen und an den Staat abgeben musst. Weiterhin kommen noch Fixkosten für die Tätigkeit ins Spiel. Hier habe ich einige Fixkosten aufgelistet, diese sind jedoch sehr individuell.

Domaingebühren pro Jahr             60 Euro

Telefon/ Internet pro Jahr             360 Euro

Handykosten pro Jahr                    360 Euro

Computerlizenzen pro Jahr           720 Euro

Marketingausgaben pro Jahr         600 Euro

Zwischensumme                      2100 Euro/ 175 Euro pro Monat/ 1,46 Euro pro Stunde

Dein Lohn wäre nun bei 18 Arbeitstagen bei 36,55 Euro + 1,46 Euro für die Fixkosten. Das ergibt dann 38,01 Euro.

Stundenlohn Netto                           38,01 Euro

10% Gewinnrücklagen         3,80 Euro

Umsatzsteuer                                     6,69 Euro

Realer Stundensatz                      48,50 Euro

Wie schon erwähnt handelt es sich hier um ein fiktives Beispiel für die Berechnung eines Stundenlohns Freelancer-Designer. Hier gibt es keine Produkte und auch keine Gewerbesteuer. Die Zahlen werden sehr individuell ausfallen. Singlehaushalte oder Creatives aus der Stadt haben deutlich höhere Stundensätze, selbst als Starter. Mit steigender Erfahrung passt du dein „Bruttogehalt als Modedesigner“ weiter an.

5 Argumente, die deinen Stundensatz für die Dienstleistung als selbstständiger Modedesigner verteidigen

Vielleicht kommt dir dieser Betrag recht hoch vor und du fragst du dich nun, wie du diesen Preis rechtfertigen kannst. Aus diesem Grund habe ich einige Argument für dich, die zeigen, dass dein errechneter Stundenlohn völlig gerechtfertigt ist:

  1. Das Unternehmen, das dich beauftragen wird, muss dir zunächst einmal keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen, d.h. kein technischer Aufwand, keine Kosten für Büromöbel.
  2. Selbstverständlich zahlt das Unternehmen auch keine Steuern und Sozialabgaben für dich. So hat die Buchhaltung viel weniger Arbeit, denn monatliche Abrechnungen sind nicht zu unterschätzen.
  3. Auch musst du nicht in eine Personalkartei aufgenommen werden, du erhältest keine Brandschutz- oder Datenschutzunterweisung.
  4. Für einen Freelancer werden keine vermögenswirksamen Leistungen ausgegeben.
  5. Arbeitnehmer haben im Gegensatz zu Freelancern viele unproduktive Zeiten, wie Team-Meetings, Kaffee- oder Raucherpausen, Krankheit, Weiterbildung, Einarbeitung, Personalgespräche etc. Ein Freelancer bekommt ein Briefing, steht im Austausch mit dem Auftraggeber, wird aber nicht von Alltagsgeschäft, unzähligen Meetings oder Übergaben an Kollegen unterbrochen. Außerdem wirst du nur für deine Arbeit bezahlt, ein Leerlauf bleibt mit einem freien Mitarbeiter nicht auf Kosten des Unternehmens.

Wie du also siehst, bringst du als Freiberufler bereits viele Vorteile für einen Auftraggeber mit, warum sollte also ein Schnäppchenpreis das Argument sein?

Da es noch so viel mehr zum Thema Dienstleistungsberechnung zu sagen gibt, erwartet dich nächste Woche an dieser Stelle die Antwort auf die Frage, wie du die benötigten Stunden für ein Projekt richtig einschätzt und je nach Auftraggeber veranschlagst.

Ich hoffe dieser Artikel hat dir weitergeholfen. Dazu freue ich mich auf einen Kommentar zu diesem Thema! Hier geht es nun weiter mit Teil 2: Stunden deiner Designleistungen kalkulieren.