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Jahresplanung für dein Modelabel

Jahresplanung für dein Modelabel

In diesem Artikel wird dir die Expertin Kapitän Judith die Jahresplanung für dein Modelabel näherbringen. Sie hilft Label-Inhaberinnen dabei mehr Kunden zu gewinnen und ihr Unternehmen vom Handmade-Label zur Modemarke weiterzuentwickeln.

Diese 7 Fragen solltest du dir im Vorfeld stellen

Kennst du dieses aufregende Gefühl, wenn ein neues Jahr vor dir liegt und du 12 Monate, 52 Wochen und 365 Tage Zeit hast, deine Ideen und Projekte für dein Modelabel umzusetzen?

Da sich das aktuelle Jahr dem Ende neigt und ein neues Jahr mit vielen Möglichkeiten und Herausforderungen vor uns liegt, möchte ich diesen richtigen Zeitpunkt nutzen, um dir die richtigen Fragen mit auf den Weg zu geben, mit denen du dein kommendes Jahr besser planen kannst.

Hast du schon mal dein Jahr geplant?

Insbesondere wenn du noch ganz am Anfang stehst, wird dich die Jahresplanung für dein Modelabel vielleicht vor größere Herausforderungen stellen. Am Anfang weiß man gar nicht so recht, was man eigentlich überhaupt und wie planen soll. Je länger man dann im Modebusiness unterwegs ist, desto detaillierter befasst man sich dann auch mit der Jahresplanung.

Generell ist eine Jahresplanung für dein Modelabel sehr ratsam. Sie hilft dir, deine kreativen Ideen und Projekte zu strukturieren. Deine Jahresplanung legt den Grundstein dafür, dass du deine Ideen später auch wirklich umsetzen kannst. Weil du nicht in Bedrängnis kommst, alles gleichzeitig machen zu müssen, sondern viel mehr eine sehr stabile Struktur hast, die deine unternehmerische Basis bildet.

Genauso wichtig ist der Part der Zahlenplanung, der super wichtig ist, egal wo du gerade mit deinem Business stehst, ob du selber fertigst oder deine Produktion ausgelagert hast, ob du bisher 0, 3, 300 oder 300.000 Produkte verkauft hast.

Zu diesem Teil der Planung gehört deine Umsatz-, Investitions- und Liquiditätsplanung, die jeweils eine entscheidende Rolle für deine Planung spielen. Nur wenn du genau weißt, wohin du im nächsten Jahr umsatztechnisch wachsen willst, kannst du deine erforderlichen Investitionen budgetieren.


Ein konkretes Beispiel dazu: Eine Regel, die ich aus meiner Erfahrung mit meinen Kundinnen nur bestätigen kann lautet: 10% deines Zielumsatz für’s nächste Jahr solltest du in Marketing investieren. Nur so kannst du deinen Zielumsatz erreichen.

Zu Marketing zählen nicht nur bezahlte Werbeanzeigen, sondern auch u.a. Messe-Kosten, Grafiker, virtuelle Assistenzen zur Unterstützung, Planungssoftware, wie z. B. Hootsuite für Social Media, Flyer zur Beilage in deinen Paketen, individualisiertes Klebeband und und und.

Wenn du nicht weißt, wie hoch dein Umsatz im nächsten Jahr sein soll, kannst du auch nicht kalkulieren, wie hoch deine Marketinginvestitionen sein müssen.


“Einfach drauf los” ist dabei die schlechteste Perspektive: Du schipperst praktisch blind durch die See, bist dem Zufall, ob jemand dein Produkt kauft, völlig unterworfen und hast absolut keine Sicherheit für deine Einkommenssituation. Ohne Kompass und Karte auf hoher See, ein blöder Plan, oder?

Wenn du bereits die Entscheidung getroffen hast, dein Jahr zu planen, fehlt dir vielleicht noch ein klarer Einstieg in das Thema. Möchtest du erfahren, wie du dein Jahr planen kannst? Dann lies gerne weiter, denn im Folgenden stelle ich dir 7 wichtige Fragen, die du dir im Vorfeld deiner Jahresplanung für dein Modelabel stellen solltest. Los geht’s!

Die richtigen Fragen im Vorfeld deiner Jahresplanung für dein Modelabel

Einige Fragen triggern dich vielleicht und du fühlst dich ertappt. Aber ich möchte nochmal betonen: Ich will dir helfen, dich weiter zu entwickeln und dein Label weiter voranzutreiben.

Also, schnapp dir dein Notizbuch und dann fangen wir gleich an:

  1. Welche Projekte und Ideen hast du für’s kommende Jahr? Was möchtest du gerne umsetzen?
  1. Was hast du 2020 nicht geschafft? Warum nicht?
  1. Wie fühlst du dich aktuell mit deinem Business? Was hat dich glücklich gemacht und was hat dich ziemlich genervt?
  1. Wofür hättest du gerne mehr Zeit? Beruflich und privat?
  1. Hast du Labels, an denen du dich orientierst oder die dich inspirieren? Z. B. auf Instagram?
  1. Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Kunden? Bekommst Du Dankes-Mails? Beschweren sich viele Kunden? Gibt es viele Sonderwünsche?
  1. Wie gut kennst du deine Zahlen? Weißt du, wie viel Umsatz du bisher erwirtschaftet hast? Wie hoch war dein Marketing-Budget, deine Fortbildungskosten oder deine Marge?

Konntest du alle Fragen zu deiner Zufriedenheit beantworten? Vielleicht nicht, das ist aber auch gar nicht schlimm. Es geht darum, dass du entdeckst, wo du persönlich, aber auch dein Label noch wachsen darf.

“Dein Label entwickelt sich so weit, wie du dich auch persönlich weiter entwickelst. Ohne persönliches Wachstum auch kein unternehmerisches.”

Kapitän Judith

Wenn du Lust hast, mehr über deine Jahresplanung zu erfahren, dann melde dich gerne für meine gratis 5-Tage-Challenge an. Wir starten zu Nikolaus und Du bekommst von mir jeden Tag eine Email mit einer Aufgabe, die du bequem neben deinem Tagesgeschäft beantworten kannst. Nach den 5 Tagen kannst du für dich abschließend bewerten, wie gut 2020 für dich lief. Das ist die perfekte Basis für deine Jahresplanung, die wir, wenn du magst gemeinsam am Sonntag, den 13.12.2020 in einem gemeinsamen Workshop erarbeiten. Den Link zum Workshop schicke ich dir dann in der Challenge nochmal zu.

Hier kannst du dich kostenlos zur Challenge anmelden:

Anfrage an Modeproduzenten stellen, Schnitttechnik

So stellst du eine Produktanfrage an einen Modeproduzenten

Im heutigen Artikel möchte ich dich bei deiner Produktanfrage an einen Modeproduzenten unterstützen. Denn ein Großteil der Anfragen von Mode Start-ups bleibt von Herstellern unbeantwortet. Das liegt zum einen daran, dass kleine Mengen bei vielen Herstellern unattraktiv sind und die Zusammenarbeit mit einem Fashion-Newbee noch weniger. Darum ist es wichtig, deine Produkte professionell aufzubereiten, bevor du eine Anfrage stellst und damit zum Ausdruck bringst, dass du genau weißt, was du willst.

In meiner Zeit im Modeeinkauf für ein mittelständisches Textilunternehmen habe ich in jeder Saison zahlreiche Anfragen für unsere gelisteten Produzenten vorbereitet und dabei auch eingeschätzt, welcher Produzent für welches Kleidungsstück in Frage kommt.

Um die geeigneten Hersteller für deine Kollektionsteile herauszupicken, musst du diese erst einmal bekleidungstechnisch aufbereiten, um herauszufinden, was du überhaupt benötigst. Schließlich fragst du auch in einer Kaffeerösterei an, wenn du gerösteten Kaffee möchtest und nicht in einer Brauerei.

Dabei beschäftigst du dich mit den jeweiligen Stoffkonstruktionen, benötigten Zertifikaten, Verarbeitungsdetails, zu produzierenden Mengen und Lieferterminen. Ohne diese Basics führt eine Anfrage zu keinem Ziel.

Modeproduzenten ist nicht gleich Modeproduzent

Modeproduzenten sind auf unterschiedliche Materialien und Verarbeitungstechniken mit ihrem Maschinenpark ausgerichtet. Grob lassen sich die Hersteller in Web-, Wirk- und Strickproduzenten einteilen. Neben dieser Einteilung hat jeder Modeproduzent weitere Spezialisierungen. D. h. der eine Produzent für Webwaren verarbeitet z. B. nur diffizile Materialien, also schwierig zu verarbeitende Stoffe wie Samt oder Chiffon und der andere hat seinen Maschinenpark auf die Verarbeitung von Blusen oder Hemdblusenkleidern spezialisiert. Eine größere Umstellung der Maschinen wäre für den Betrieb gerade bei einer geringen Stückzahl unwirtschaftlich. Denn der Aufwand für eine Produktion ist zu Beginn sehr ähnlich, ganz egal, ob die Produktionsstätte 30 oder 3000 Teile herstellt.  Hier habe ich dir bereits einen Artikel über die Kosten für die Entwicklung einer Kollektion zusammengestellt.

Der Aufwand für Modeproduzenten ist zu Beginn sehr ähnlich, ganz egal, ob die Produktionsstätte 30 oder 3000 Teile herstellt

Als ich später in einer deutschen Produktionsagentur gearbeitet habe, konnte ich dann auch die andere Seite der Textilindustrie erleben und wurde viermal im Jahr mit Kundenanfragen geradezu überschwemmt. Es war eigentlich alles dabei Damen, Herren, Kinder. Webartikel, Strickkollektionen, Jerseyware… Alle Produktanfragen waren bis ins kleinste Detail ausgearbeitet (alle Kunden waren Bestandskunden) und meine Aufgabe bestand darin, die richtigen Infos zu filtern, Alternativen anzubieten und Targetpreise kalkulieren zu lassen. Ein Target- bzw. Richtpreis ist der Einkaufspreis, den das Produkt ca. kosten darf, damit der gewünschte Verkaufspreis noch erreicht werden kann. Denn bevor ein Auftrag überhaupt zustande kommt, müssen sich beide Parteien über den Preis zu den vorgegebenen Konditionen einig sein.

Welche Infos benötigt ein Modeproduzent, um dir ein Angebot zu schicken?

Beantworte in deiner Anfrage die W-Fragen

Du solltest in deiner ersten Anfrage klassische W-Fragen beantworten:

  • Was soll produziert werden?
  • Wann soll produziert werden?
  • Wohin soll geliefert werden?
  • Wie soll produziert werden?

Je genauer du diese Fragen schon beantworten kannst, desto besser. Die schlichte Aussage „…Ich möchte bei Ihnen T-Shirts produzieren…“, wird einen Produzenten eher davon abhalten, eine Zusammenarbeit mit dir einzugehen. Besser ist es, du benennst das benötigte Produkt genau:

„…Für meine Kollektion für F/S2022 suche ich nach einem Hersteller für ein T-Shirt (Kurzarm, in 3 Farbwegen) aus 100% Bio-Baumwolle, Single Jersey, ca. 160 g/m². Im Anhang finden Sie meine Anforderungen zur Bemaßung und das Tech Pack. Ich freue mich auf Ihr Angebot bis X…“

Bereite Tech Packs und bekleidungstechnische Dokumente vor

Für die Frage „Wie“ dient dann ein sogenanntes Tech Pack, bestehend aus technischen Zeichnungen, Detailzeichnungen von Accessoires, Bemaßung, Angaben zu den Verarbeitungsmerkmalen, sowie den zu verwendenden Materialien und Zutaten. Wenn du Quereinsteiger bist oder noch wenig Erfahrung in der Branche hast, kommt in diesem Fall ein selbstständiger Modedesigner ins Spiel, der dich bei diesem Part unterstützen kann, da er auf seine Expertise zurückgreift. Erfahrene Modedesigner können einschätzen, welche Materialien, in welcher Grammatur, in welchen Farben für das jeweilige Modell in Frage kommen.

Damit schaffst du die Grundvoraussetzungen für eine optimale Passform und Langlebigkeit. Das ist schon ein wichtiger Baustein in Punkto Nachhaltigkeit. Darüber hinaus erstellen Mode- und Textildesigner auch vektorisierte Druckdaten für Prints und Rapportmuster, Stickereien, Labels etc. So erlebst du später bei der Produktion keine böse Überraschung.

Die Tech Packs bilden eine Anleitung für die Modeproduzenten. Verarbeitungsmethoden können sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem welchen Markt du mit deiner Modekollektion ansprechen möchtest. Du kannst z. B. eine einfache und produktionsfreundliche Verarbeitung für ein niedrigpreisiges Modelabel in das Tech Pack einfügen. Je schneller ein Modell genäht ist, desto günstiger werden die Herstellungskosten. Wenn du langlebige und nachhaltige Bekleidung bei deinen Kunden anpreist, ist eine umfangreichere Verarbeitung nötig. Etwa Kappnähte an den Innenbeinnähten von Hosen oder Riegel an Eingriffstaschen. Um all diese Details kümmert sich ein Modedesigner bei der Erstellung der Dokumente, um eine möglichst reibungslose Produktion zu gewährleisten.

Verweise auf vorhandene Swatche oder Anschauungsmuster

Materialbeschaffung

Im besten Fall hast du auch bereits Stoffabschnitte sogenannte Swatche, die du der Produzentenanfrage im Nachhinein beifügen kannst. Ein erster Prototyp oder Anschauungsmuster können für den Bekleidungsproduzenten zudem hilfreich sein, um deine Anfrage einzuschätzen. Gerade, wenn es sich um Strickprodukte handelt, ist ein Blick auf das Gesamtgewicht, die Dicke des verstrickten Garns bzw. die Anzahl/ Farbigkeit der einzelnen Fäden im Garn (Ply) und die Teilung (Gauge) wichtig , um die gewünschte Optik zu erreichen.

Hier habe ich einen zwar schon sehr alten, aber anschaulichen Artikel zum Thema Cashmere Strick-Qualität, der dir ein Feingefühl gibt, worauf es bei einer guten Strickqualität ankommt:

https://www.bestofbest-mode.com/showthread.php/309-CASHMERE-Strick-Wie-unterscheidet-man-Ramsch-von-Qualit%C3%A4t

Eine Agentur für nachhaltige Strickprodukte findest du übrigens im kostenlosen Modedienstleisterverzeichnis.

Wie arbeiten Modeproduzenten weiter, wenn ein Auftrag zustande kommt?

Wenn du im Anschluss einen Stückpreis vom der Produktionsstätte erhalten hast, kannst du diesen ggf. mit anderen Angeboten vergleichen und entsprechend den Auftrag platzieren. Daraufhin werden alle Details und Anforderungen mit dem Produzenten besprochen und die Musterungsphase in der Prototypen entstehen, startet. Bist du bereit für diesen Schritt? Willst du endlich deine Modelle in Händen halten können?

In meinem Workbook PRODUKTIONSREIF – Von der gesponnenen Kollektionsidee zu einem individuellen Produktionsplan findest du Infos zum gesamten Follow-up mit deinem Hersteller und ebenso viele Aufgaben, um deine Produktion bestmöglich vorzubereiten. Hier erfährst du mehr.

Ratgeber Modelabel Gründung