Ortsunabhängige Berufe in der Modebranche – Modeillustrator

In der Modebranche ortsunabhängig arbeiten – geht das? Ich stelle heute den Beruf Modeillustrator vor und habe dazu ein Interview mit der Illustratorin Yael Hertzog geführt. Zunächst werde ich dir noch ein paar Infos zu dem Berufsbild geben:

 

Was macht ein Modeillustrator?

Durch die Digitalisierung hat die Kunstform einen Wandel vollzogen und ist heute ein wichtiges Mittel zur Abstraktion, um Träume anzuregen. Sowohl in Zeitschriften, auf Webseiten, als Lifestyle-Deko gerahmt oder in Werbespots werden heute Modeillustrationen genutzt. Die meisten Illustratoren sind Freiberufler und arbeiten an Aufträgen unterschiedlicher Kunden, sie können aber auch ein Gewerbe betreiben und eigene Projekte realisieren. Mehr dazu erfährst du weiter unten im Interview.

Damit können Illustratoren sich ihren Arbeitsort selbst aussuchen und in der Modebranche ortsunabhängig arbeiten. Meetings lassen sich auch häufig über Skype realisieren.

Welche Ausbildung benötigt ein Illustrator?

Das Berufsbild des Illustrators ist nicht geschützt, sodass ein Quereinstieg möglich ist. Eine Grundvoraussetzung sind deine Fertigkeiten beim Zeichnen und ein eigener Stil. Viele Illustratoren haben jedoch zuvor eine Ausbildung im Bereich Mode absolviert oder ein Modestudium abgeschlossen. Dort hatten sie genug Zeit verschiedene Techniken auszutesten und so ihre eigene „Handschrift“ zu finden. Weiterbildungsmöglichkeiten findest du bei Onlineakademie Udemy (Partnerlink) oder einen ersten kostenlosen Schnupperkurs findest du bei der Summer School der AMD Mode und Design Akademie GmbH.

 

Nun geht es auf zum Interview mit meiner Interviewpartnerin Yael Hertzog.

Ortsunabhängig arbeiten Modedesigner

Foto: Yael Hertzog

Yael ist Mutter und lebt in Hadera, einer Stadt zwischen Haifa und Tel Aviv in Israel.

 

„Ich habe in der Highschool mit meinen Zeichenstudien begonnen und machte danach ein Modestudium am „Shenkar“ College in Tel Aviv. Durch den Beruf meines Vaters sind wir in meiner Kindheit die meiste Zeit in der Welt umhergereist. Für ein Jahr habe ich auch in Australien gelebt. Ich liebe es ortsunabhängig zu arbeiten.“

Seit wann zeichnest du und wie hast du deinen eigenen Stil entwickelt?

„Ich zeichne bereits seit meinem vierten Lebensjahr. Ich kann mit gut erinnern, dass es meine Lieblingsbeschäftigung war, woimmer ich mich befand. Ich fand diese in Notizbüchern und Postern, die ich besaß. Außerdem wuchs ich mit zwei älteren Brüdern auf, daher hatten wir viele Comic-Hefte, die mich stark beeinflussten, was man auch heute noch noch an meinem Zeichenstil sehen kann.“

modebranche ortsunabhängig arbeiten Illustration Yael Hertzog

Illustration by Yael Hertzog

Wie bist du zur Modeillustration gekommen? War das schon immer dein Traumberuf?

„Auf diese Idee hatte mich ein Freund gebracht, den ich von unserem her Modestudium kannte. Ich habe meinen Abschluss 2003 gemacht und bekam kurz danach eine Anstellung als Kostümdesignerin für unterschiedliche Produktionen. Ich liebte diese Tätigkeit und hatte schon damals Illustrationen angefertigt, um mich für meine Arbeit zu orientieren. Durch die Schwangerschaft mit meinem ersten Kind war mir klar, dass Kostümdesign nicht in meinem Lifestyle als Mutter passen würde. Aus diesem Grund wollte ich mich neu orientieren und Illustrator zu werden, war eine ganz klare Entscheidung für mich. Mein Zeichenstil bewegte sich, trotz meinem Hang zum Comic, immer um Modezeichnungen und heute habe ich viel Erfolg damit, diesen Stil mit verschiedenen Elementen zu mixen.“

 

Du bist Mutter, wie vereinbarst du deinen Alltag mit deinem Job? Das stelle ich mir ganz schön stressig vor.

„Mein Tag beginnt recht früh, um ca. 6 Uhr morgens. Ich starte mit meiner Arbeit ungefähr um 8.30 Uhr und bleibe bis 16 Uhr dran. Danach hole ich meine Kinder ab und verbringe den Rest des Tages mit ihnen. Wenn ich eilige Projekte, Fertigstellungstermine oder Meetings habe, arbeite ich solange weiter, wie mein Mann oder ein Babysitter auf die Kinder aufpassen kann. Es ist nicht immer einfach, aber wenn man es wirklich möchte, ist es möglich. Außerdem gebe ich jeden Tag mein Bestes, um noch Zeit mit meiner Familie zu verbringen.“

 

Wo befindet sich dein Arbeitsplatz?

 „Ich arbeite zuhause in meinem Studio.“

 

Was ist deine liebste Zeichentechnik?

„Ich mag es neue Techniken auszuprobieren. Ich liebe Aquarellfarben, aber seit einiger Zeit habe ich immer mehr schwarze Tusche implementiert. Für mich ist es wunderbar, wenn sich deckende Techniken und die Transparenz von Aquarell gegenüberstehen.“

 

Was zeichnet deiner Meinung nach einen guten Illustrator aus?

„Um ein guter Illustrator zu sein, ist es am wichtigsten, dass du deine Arbeit liebst, dass du eine Leidenschaft für das Zeichnen hast. Denn wie bei allen anderen freiberuflichen Jobs, gilt auch hier – es ist kein einfacher Job! Als guter Künstler musst du deine Fertigkeiten immer weiter verbessern und nie aufhören Neues zu lernen oder dir anzueignen.“

 

Wie hast du deine ersten Kunden bekommen?

„Zu meinen ersten Kunden gehörten Bekannte von unserem Modestudium. Manche von ihnen waren inzwischen Head of Designer in großen Modekonzernen oder Freiberufler, die Zeichnungen oder Illustrationen für ihre Arbeit benötigten. Ich glaube am besten ist es, wenn man seinem Umfeld von seiner Tätigkeit erzählt. Deine Bekannten erzählen dann weiter von deiner Arbeit. Wenn du in dem gut bist, was du tust, werden immer mehr Menschen zu dir finden.“

 

Wie können dich potenzielle Kunden finden?

„Gefunden zu werden ist heutzutage mit all den sozialen Netzwerken sehr einfach. Früher war das noch etwas anders und Kunden haben von mir durch andere Kunden gehört. Gute Mund-zu-Mund-Propaganda ist das beste, was man für ein Business haben kann.“

 

Wo entstanden bisher Probleme mit Kunden? Wie kann man so etwas umgehen?

 „Leider ist es so, auch wenn du dein bestes gibst, um den Kunden zufrieden zu stellen, ist es möglich dass es von Zeit zu Zeit zu Problemen kommt. Mein bester Ratschlag an Illustrationen, die in solch einer Situation stecken, lautet: Hör immer genau zu, was dein Kunde braucht. Auch wenn der Kunde es manchmal nicht direkt ausspricht, kann man, wenn man genau hinhört, verstehen, was er eigentlich meint. Außerdem sind ein guter Servicegedanke und deine Verfügbarkeit ein Schlüssel zu einem erfolgreichen Projekt und wiederkehrenden Kunden. Behandle einen unzufriedenen Kunden gut, es wird einem ein besseres Resultat geben, als ihn unzufrieden zu lassen. Es geht dabei nichtt ums eigene Ego, sondern um deren Produkt.“

 

Welches war das mit Abstand schönste Projekt für dich bisher?

„Eigentlich liebe ich alle meine Projekte und es ist schwer sich für eines zu entscheiden. Ich würde aber sagen, am meisten habe ich es genossen für „Babyland“ zu arbeiten. Das ist die größte Umstands-Messe in Israel! Das Unternehmen, das dieses Event veranstaltet, hat sich zu einem zeitgemäßeren Auftritt entschlossen, als das übliche „Soft Baby“-Image, das jeder von solchen Messen kennt. Das Ergebnis war spektakulär und wurde landesweit veröffentlicht. Das Projekt war ein riesiger Erfolg und ich war glücklich, dass ich dabei eine so große Rolle spielen durfte.“

ortsunabhängig arbeiten als Modedesigner

Illustration: Yael Hertzog

 

Zusätzlich zu deiner Freelance-Tätigkeit als Illustratorin, hast du einen Onlineshop gegründet. Kannst du ein bisschen darüber erzählen?

Ich betreibe seit letztem Jahr einen eigenen Onlineshop mit illustrierten Produkten von mir. Es ist für mich ein ziemliches Abenteuer. Meine Produkte werden in den USA hergestellt und bedruckt und danach weltweit versendet. Ich plane auch für dieses Jahr eine separate Bade- und Surfkollektion mit einer Bademodenfirma zu starten.

Dankeschön Yael! Ich wünsche dir noch weiterhin gutes Gelingen!

 

Hier findest du das Originalinterview:

Interview with the fashion illustrator Yael Hertzog

„I am 40 years old, born and raised in Israel. Living today in Hadera, which is exactly in the middle between Haifa and Tel Aviv. I started fashion studies in high school and continued in college. I studied in „Shenkar“ college in Tel Aviv. Because of my fathers work  I traveled all around the world most of my life and lived about one year in Australia. I love working globally.“

 

remote work as fashion illustrator

Foto: Yael Hertzog

How did you learn your own style of illustrating and how long do you draw already?

„I’ve been drawing since age 4! I remember it quite good as my favorite activity wherever I was. I used to practice by copying drawings I found on notebooks and posters I had. Also, since I was growing up with two older brothers, we had lots of comic books lying around so I was very influenced by comic books art and you can see that even today in my style of illustration.“

 

How did you come up with the idea to become a fashion illustrator?

„The idea of becoming a fashion illustrator came actually from my best friend who’s been there with me since our fashion studies in college. I’ve graduated college in 2003 and immediately became a costume designer for all performance arts. I loved it and always used illustration as a leading tool in my work as a designer. During my pregnancy with my first child I knew that being a costume designer will not fit my lifestyle as a mom anymore so I wanted to make a change and illustration was the natural choice. My style, even if it was heavily influenced by comic books or anima was always around fashion drawings and today I succeed in mixing them all together.“

 

How is your usual business day working as being a mother?

„My day begins very early around 6 am. I start my work day around 08:30 am and always stop around 4 pm to pick up my kids and spend the rest of the day with them. If I have urgent projects, deadlines or meetings waiting I continue working as long as it takes while my husband or a babysitter takes care of the kids. It’s not always easy but it’s possible if you really want it. I do my best to have some quality time with my family every day.“

 

ortsunabhängig arbeiten als Modeillustrator

Illustration: Yael Hertzog

Where are you working from?

„I’m working from my home studio.“

 

What is your favourite technique of illustrating?

„I like to try out new techniques of drawing all the time. I love using watercolors but lately I found myself working more and more with black ink on paper. I just love the opaque (nontransparent) affect as oppose to the transparency of watercolors.“

 

What do you think it’s necessary to become a good illustrator?

„In order to become a good illustrator, I believe you need first of all have to completely love it, be passionate about it, because like any other freelance job – it is not easy! Like every good craftsman, you will need to practice endlessly. Always be in a learning mode, there is always something new to learn or try out.“

 

How did you get your first customers?

„My first customers were people who knew me from our studies in fashion college. Some of them were already head designers in large fashion companies or freelance designers who needed sketches and illustrations for their work. I think it is best to start spreading the word about your art to your closest circle and then let it go from there. If you are good in what you do, more people will come to you.“

 

How could your customers find you?

„Finding me today is very easy with all the social networks, but a decade ago things were a little different, and clients heard about me from other clients. Word to mouth recommendations are the best kind you can have as a business.“

 

 Did you ever had problems with a customer? And is there an advise you would like to give to young creatives, who would like to start in fashion illustrating?

„Unfortunately, even when you give your best and do everything in your power to satisfy your clients, it is inevitable to have problems once in a while with customers. My best advice for illustrators is to listen always to what your customer needs. Even if they don’t say it specifically, you can always listen carefully to understand what they really need. Also, your service and availability are most of the times the key to a successful project and to a returning customer. Remember that dealing well with an unhappy customer will give you better results than falling apart from it. This is not about your ego, it’s about their end product.“

 

What was your favourite project until today?

Although I love all my projects and it’s really hard to choose, I would say that I mostly enjoyed working on „Babyland“, which is the largest maternity event in Israel! The company producing the event decided to go for a more fashionable look than the usual „soft babies“ branding everyone is used to seeing in these kind of events. The result was spectacular and published nationally. It was a huge success and I loved having such a big part in that.

 

Besides your work as fashion illustrator you are running your own online shop. Could you tell me a bit about it?

„I have been running my own online shop of illustrated products for past year and it’s been an amazing adventure. My products are printed and manufactured in the USA and sent worldwide. Also I plan to start a separate swim and surf collection with a swimwear company this year.“

Thanks alot Yael! I wish you great success for your further projects!

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