Die Schwelle von der Idee zum konkreten Plan erreichen Gründer, sobald sie ihre Modekollektion erstellt haben – mit sämtlichen Verarbeitungsdetails und das visuell für Produktionspartner nachvollziehbar.
Ich habe Gründer kennengelernt, die eine glasklare Vision ihrer Kollektion hatten, aber bei der Umsetzung Details immer wieder abgeändert haben, sich nicht festlegen konnten oder auf eine noch bessere Idee gewartet haben. Das ist typisch für die Branche – ständige Änderungen und Flexibilität. Dies passiert aber natürlicherweise im Verlauf der gemeinsamen Prototypenentwicklung. Denn es wird so gut wie nie ein Teil so produziert, wie es von Anfang an geplant war, selbst bei großen Modekonzernen nicht. Jedes neue Modell ist ein Experiment, das umgesetzt werden will.
Doch dazu brauchst du nicht nur eine glasklare Vision, sondern auch einen glasklaren Plan – eine genaue Anleitung wie du deine Modekollektion erstellen lassen kannst und wie die Verarbeitung deines Modells detailliert funktioniert.
Aber wie erkläre ich Produzenten meine Idee?
Bestenfalls erklärst du Modeproduzenten deine Idee mithilfe einer technischen Zeichnung von Vorder- und Rückansicht. Dabei wird ersichtlich, wie dein Modell konkret umgesetzt werden kann. Es geht um die Silhouette, den Schnitt, aber auch um die vielen Details, die einen Arbeitsaufwand für die Produktionsstätte darstellen und vorher festgelegt werden müssen. So werden in den Zeichnungen Öffnungslösungen wie Reißverschlüsse oder die Knopfabstände berücksicht, ebenso Kragenlösungen, vor allem aus bekleidungstechnischer Perspektive.
Warum sind Visualisierungen in der Modebranche so wichtig?
Die größten und auch teuersten Missverständnisse in der Branche entstehen, wenn es keine Verständigungsbasis gibt.
Ein einfaches Beispiel: Wie stellst du dir ein gestreiftes T-Shirt vor? Ist es eine Cropped-Version? Garngefärbt oder mit bedruckten Streifen? Breite Quer- oder schmale Längsstreifen? Mit oder ohne Brusttasche oder Stickerei? Innen mit Größendruck oder Weblabel? Verarbeitet als V- oder Rundhals? Enganliegend mit eingesetzten Ärmeln oder Loose mit überschnittenen Schultern? Dazu können noch viele weitere Fragen kommen. Und wir reden hier nur von einem T-Shirt.
Welche Arten der Visualisierung kann ich nutzen, um eine Modekollektion zu erstellen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um mit deinem Hersteller zu kommunizieren. Eine Modekollektion erstellen mithilfe:
- einer Handskizze und Arbeitsbeschreibung: Dies ist vor allem bei kleinen Schneidereien ausreichend. Allerdings benötigt man dazu Fachkenntnisse über die Verarbeitungsmethoden, um eine Modekollektion per Handskizze zu erstellen.
- einer technischen Zeichnung: Einfache Modelle lassen sich mit Standard-Zeichenprogrammen erstellen. Wie auch bei der Handzeichnung hilft eine technische Zeichnung nur, wenn Wissen dahinter steht. Aber für kleinere Produktionen von Standardartikeln ist das schon möglich. Alternativ lassen sich auch viele Fashion Flats (technische Zeichnungen) im Internet für ein paar Euros kaufen.
- von Tech Packs: Tech Packs beinhalten auch technische Zeichnungen, allerdings noch viele weitere Informationen zur Verarbeitung, zum Material, zur Schnitterstellung, zur Menge, zu Labels und Verpackung, Größenspiegel und zum Lieferzeitpunkt. Es ist ein gängiges professionelles Dokument, mit dem dein Unternehmen automatisch Expertise ausstrahlt, wenn alle Angaben darin Hand und Fuß haben.

- von KI: Du kannst aus deiner Handskizze oder einem Foto eines ähnlichen Modells auch eine technische Zeichnung z. B. mit Adobe Firefly erstellen lassen. Dies ist derzeit aber nur mit Basic-Modellen sinnvoll, da noch viele Fehler passen. Ebenso sind keine Äbänderungen wie bei klassischen vektorbasierten Zeichnungen möglich.
- von 3D-Design: Durch 3D-Design hast du nicht nur eine visuelle Ansicht deiner Kollektionsteile, sondern auch gleich ein fertiges Schnittmuster, das bei einigen Herstellern Voraussetzung für eine Zusammenarbeit ist. Dabei wird meist CLO3D genutzt. Diese Programme sind allerdings umfangreich und müssen erlernt werden oder du greifst auf die Hilfe eines Experten zurück.
Nahezu alle erfolgreichen Labels, die ich begleitet habe, hatten eines gemeinsam: Sie haben ihre Idee früh bis ins letzte Detail visualisiert und damit eine Grundlage für die Prototypenentwicklung und die anschließende Produktion geschaffen.
Durch ein cleveres Design ist es zudem möglich unnötige Kosten sparen, weil z. B. manche Nahtführungen einfach kostengünstiger sind als andere oder der Stoffverbrauch reduziert wird.
Möchtest du deine Modekollektion von einem Experten in der Modebranche erstellen lassen oder deine aktuellen Designs gegenchecken lassen? Dann schreib mir eine unverbindliche Email und ich melde mich bei dir:





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