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Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Modebranche aus

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Neben den News von den Modeketten, trifft die Corona-Krise vor allem die kleinen und mittelständischen Modelabels und Dienstleister der Modebranche. Vor welche Herausforderungen werden sie nun gestellt und wie gehen deutsche Mode-Start-ups damit um? Mit Modekarriere war es mir wichtig dieses aktuelle Stimmungsbild für dich einzufangen und einen Blick hinter die Kulissen während dieser außergewöhnlichen Zeit zu werfen und das natürlich aus sicherer Entfernung.

Stimmen zur aktuellen Corona-Krise aus der Modebranche

Mode-Start-ups und Jungdesigner haben meist nicht die Möglichkeit sich ein Polster für schlechte Zeiten anzulegen. Es ging um die essenziellen Finanzfragen, wie Krankenversicherung, Altersvorsorge etc. Denn niemand hatte so ein Szenario vorausgesehen. Wie geht es aber nun weiter, wenn die Geschäfte geschlossen sind? Wie können kommende Saisons noch finanziert werden und was können wir vielleicht sogar aus der Krise lernen? All das beantworten meine Interview-Partner. Dazu habe ich ihnen die folgende Frage gestellt:

Modekarriere: Wie seht ihr die Corona-Krise in der Modebranche? Wie geht ihr damit um?

Marita von der Produktionsagentur für nachhaltige Mode Good Garment Collective, Berlin

„Auch bei Good Garment Collective haben wir Maßnahmen ergriffen, um Kontakte auf das Notwendigste zu reduzieren, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die Kurve flachzuhalten.

Dennoch versuchen wir den Betrieb aufrecht zu halten, haben aber den größten Teil unseres Teams ins Homeoffice geschickt. Wir arbeiten im Schichtsystem in unserem Büro in Kreuzberg und sind weiterhin telefonisch erreichbar, können Ware annehmen und die laufenden Produktionen betreuen. Kundentermine und Besprechungen verlegen wir auf Videokonferenzen. Mit unseren Produzenten und Zulieferern sind wir im regen Austausch und reagieren flexibel auf die individuellen Probleme, wie Lieferengpässe von Stoffen und Zutaten und erfahren hier eine große Hilfsbereitschaft zwischen den einzelnen Akteuren.“

Joana Ganser, CEO & Head of Design bei Shipsheip, Köln:

„Als Brand für hochwertige, individuelle Kleidung besteht die erste Herausforderung vor allem darin, Typ- und Stilberatungen auch ohne Touchpoint anbieten zu können. Anspruchsvolle Mode möchte auf unterschiedlichen Ebenen real wahrgenommen werden – die Präsentation und Haptik der Produkte, sowie eine qualitative Beratung, ist für unsere Kunden/innen essentiell. Obwohl unser SHIPSHEIP STUDIO geschlossen ist, können unsere Kunden/innen von Dienstag – Samstag zwischen 12:00 und 15:00 Uhr anrufen und sich beraten lassen. Um unsere Produkte ohne weitere Kosten anprobieren zu können, bieten wir kostenlosen Versand an. Wir liefern via Fahrrad und DHL go green und bis zum 30.04.2020 legen wir jeder Bestellung eine kleine Überraschung bei.

Die zweite Herausforderung besteht darin, mit nur sehr geringen Umsätzen die Produktion der Winterkollektion vorzustrecken. Die Sommerware wurde an die Einzelhändler verschickt, aber durch die Schließungen der Läden, können die Einzelhändler unsere Rechnungen nicht begleichen. Auch unser eigenes Lager ist voll, aber natürlich ist unser SHIPSHEIP STUDIO geschlossen und der Umsatz bleibt aus. Um diese ungewisse Zeit zu überbrücken, kann jede einzelne Bestellung, jeder Like und jede geteilte Story von Bedeutung sein. Der Support unserer Community kann dafür sorgen, dass wir euch auch in Zukunft noch stilvolle und nachhaltige Alternativen anbieten können.

Die derzeitigen Entwicklungen betreffen jeden – Produzenten, Brands, Händler und Konsumenten – der Virus überschreitet jede Grenze, deshalb sollten wir alle Grenzen überwinden und zusammen halten. Wir sollten uns nicht von unseren Ängsten leiten lassen, sondern auf unsere Werte besinnen. SHIPSHEIP steht für Qualität, Fairness und Transparenz – diese Werte sind der Motor unsere Branche – als soziales Unternehmen sehe ich darin unsere gemeinsame Stärke und die größte Chance diese Situation zu meistern.“

Sabine Deml, Geschäftsführerin von sheDoes Tracht, Dorfen bei Erding:

„Ich glaube, dass wir alle etwas aus dieser Zeit lernen können… vielleicht ist es mehr Zeit denn je, über den Massenkonsum und über Billigproduktionen im Ausland nachzudenken… denn keiner von uns braucht 30 Billigkleider, sondern ein paar tolle Sachen, die mit Liebe und Sorgfalt hergestellt wurden… so zieht sich das in jeder Sparte von Mode bis Ernährung durch… ich denke, dass ich für mich auch meine Arbeit noch einmal gründlich überdenken werde und diese Werte noch weiter vertiefe….“

Mimi und Simmi von Studio Pilcrow, Weißenhorn bei Ulm:

 „Für uns geht die Arbeit zum Glück ganz normal weiter, da wir mittlerweile inhouse produzieren, kommt bei uns bisher nichts ins stocken. Auch mit der Zulieferung von Zutaten und Stoffen haben wir bisher keine Probleme. Die einzige Sorge bereiten uns die stationären Boutiquen, in denen wir geführt werden. Wir versuchen sie natürlich so gut es geht zu unterstützen. Sie haben gute Konzepte ausgearbeitet, wie z.B. Bringdienste oder Ähnliches.

Deshalb auch an dieser Stelle der Aufruf: Unterstützt kleine Geschäfte und kauft so lokal wie möglich ein!

Gespannt sind wir auch auf die Zeit nach der Pandemie, wie sich das Kaufverhalten verändern wird. Es wäre schön, wenn wir die kleinen und schönen Dinge im Leben tatsächlich wieder mehr genießen können und der Support von lokalen Produkten bestehen bleibt bzw. die Nachfrage wächst.“

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Elisa Lange vom Marketing des Wäschlabels Erlich Textil, Köln:

 „Die derzeitige Situation trifft uns als junges und nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen sehr. Bei uns geht es jedes Jahr darum, dass wir wachsen und so sind auch unsere Rücklagen ausgelegt. Da wir sehr viel Geld reinvestieren, haben wir nicht so viele liquide Mittel zur Verfügung. Hinzu kommt, dass wir uns selbstfinanziert haben: Wir haben also keine externen Kapitalgeber, die uns mit großen Geldbeuteln im Rücken stehen. Daher ist die aktuelle Lage eine große Herausforderung für uns.

Auf der anderen Seite ist es für uns als kleines Start-Up auch einfacher uns an das Remote-Arbeiten anpassen zu können. Durch die von uns initiierte Aktion #supportsustainablebusinesses, haben wir uns beispielsweise auch mit anderen kleinen und nachhaltigen Brands vernetzt, um uns gegenseitig zu unterstützen und auf Aktionen und Rabatte aufmerksam zu machen. Wir helfen uns gegenseitig wo es nur geht, um gemeinsam das Beste geben zu können und diese Situation zu überstehen.“

Mentoring Modebranche Corona-Krise

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1 Comment

  • Reply Achtung beim Verkauf von selbstgenähten Mundbedeckungen - Modekarriere 27. April 2020 at 19:09

    […] Das heißt aber nicht, dass du als selbstständiger Designer nun keine Mundbedeckungen nähen solltest. Im Gegenteil, viele Selbstständige helfen damit den Engpass für den Eigengebrauch zu umgehen. Eure Arbeit ist wichtig! […]

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